- Die Sucht nach Macht und Vorherrschaft ist nicht überwunden

- Wir dürfen Russland nicht aus Europa hinausdrängen

Mehr als 60 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien – vom ehemaligen Bundespräsidenten Dr. Roman Herzog, Pater Anselm Grün oder auch Schauspieler wie Mario Adorf und dem ehemaligen Kanzlerberater Horst Teltschik, einer der Initiatoren – warnen in einem Aufruf eindringlich vor einem Krieg mit Russland und fordern eine neue Entspannungspolitik für Europa. Ihren Appell richten sie an die Bundesregierung, die Bundestagsabgeordneten und die Medien.

Wegen der großen lebensbedrohlichen Brisanz aktueller Vorgänge haben wir uns entschlossen, den Aufruf weiter zu verbreiten, damit die Bürger erkennen können, in welch eine Katastrophe wir alle geraten werden, wenn wir die Gierigen gewähren lassen, und selbstverständlich schließen wir uns diesem Aufruf an:

“Niemand will Krieg. Aber Nordamerika, die Europäische Union und Russland treiben unausweichlich auf ihn zu, wenn sie der unheilvollen Spirale aus Drohung und Gegendrohung nicht endlich Einhalt gebieten. Alle Europäer, Russland eingeschlossen, tragen gemeinsam die Verantwortung für Frieden und Sicherheit. Nur wer dieses Ziel nicht aus den Augen verliert, vermeidet Irrwege.

Der Ukraine-Konflikt zeigt: Die Sucht nach Macht und Vorherrschaft ist nicht überwunden. 1990, am Ende des Kalten Krieges, durften wir alle darauf hoffen. Aber die Erfolge der Entspannungspolitik und der friedlichen Revolutionen haben schläfrig und unvorsichtig gemacht. In Ost und West gleichermaßen. Bei Amerikanern, Europäern und Russen ist der Leitgedanke, Krieg aus ihrem Verhältnis dauerhaft zu verbannen, verloren gegangen. Anders ist die für Russland bedrohlich wirkende Ausdehnung des Westens nach Osten ohne gleichzeitige Vertiefung der Zusammenarbeit mit Moskau, wie auch die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Putin, nicht zu erklären.

Wir, die Unterzeichner, appellieren an die Bundesregierung, ihrer Verantwortung für den Frieden in Europa gerecht zu werden. Wir brauchen eine neue Entspannungspolitik für Europa. Das geht nur auf der Grundlage gleicher Sicherheit für alle und mit gleichberechtigten, gegenseitig geachteten Partnern. Die deutsche Regierung geht keinen Sonderweg, wenn sie in dieser verfahrenen Situation auch weiterhin zur Besonnenheit und zum Dialog mit Russland aufruft. Das Sicherheitsbedürfnis der Russen ist so legitim und ausgeprägt wie das der Deutschen, der Polen, der Balten und der Ukrainer.

Wir dürfen Russland nicht aus Europa hinausdrängen. Das wäre unhistorisch, unvernünftig und gefährlich für den Frieden. Seit dem Wiener Kongress 1814 gehört Russland zu den anerkannten Gestaltungsmächten Europas. Alle, die versucht haben, das gewaltsam zu ändern, sind blutig gescheitert – zuletzt das größenwahnsinnige Hitler-Deutschland, das 1941 mordend auszog, auch Russland zu unterwerfen.

Wir appellieren an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, als vom Volk beauftragte Politiker, dem Ernst der Situation gerecht zu werden und aufmerksam auch über die Friedenspflicht der Bundesregierung zu wachen.

Wir appellieren an die Medien, ihrer Pflicht zur vorurteilsfreien Berichterstattung überzeugender nachzukommen als bisher. Leitartikler und Kommentatoren dämonisieren ganze Völker, ohne deren Geschichte ausreichend zu würdigen.”

Den vollständigen Wortlaut und die Namen der ersten Unterzeichner können Sie nachlesen auf:

http://www.zeit.de/politik/2014-12/aufruf-russland-dialog

 

Wir möchten noch anfügen, dass wir der deutschen Generalität die nötige Einsicht wünschen, um im Fall von Einsatzbefehlen zu erkennen, ob dann wirkliche deutsche Interessen verteidigt werden sollen, oder ob vielleicht ein “Bündnisfall” mit irgendwelchen Ereignissen nur konstruiert wird, um auf diese Weise dann die Bundeswehr für die Durchsetzung von übersteigerten ausländischen Finanzinteressen einzusetzen!   Und wir wünschen der Generalität dann vor allem das notwendige Rückrat und die Fähigkeit, die richtigen Entscheidungen zum Wohle Deutschlands treffen zu können.

 

 Zu Hintergründen US-amerikanischer Kriegsvorbereitungen lesen Sie beispielsweise den Artikel von Prof. Michel Chossudovsky, Amerika auf dem »Kriegspfad«:  Repräsentantenhaus ebnet Krieg mit Russland den Weg, dort finden Sie eine Vielzahl von Links zu weiteren Quellen,  unter: 

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/prof-michel-chossudovsky/amerika-auf-dem-kriegspfad-repraesentantenhaus-ebnet-krieg-mit-russland-den-weg.html